Wikinger. Die Entdecker AmerikasKnut Lindh
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Wie der Messias wurde der spanische Konquistador Hernán Cortés empfangen, als er 1519 nach Mexiko vorstieß. Die Azteken glaubten in dem blassen Rotbart ihren Gottkönig Quetzalcoatl zu erkennen, der Jahrhunderte zuvor in einem gefiederten Schlangenschiff über das Meer gekommen sein soll -- und dessen Rückkehr prophezeit wurde. In der Folgezeit häuften sich Berichte über mysteriöse "weiße Indianer" in Nordamerika. Bei Kensington/Minnesota wurde ein rätselhafter Runenstein gefunden. 1950 kamen am Fuße einer unbeachtet gebliebenen Turmruine bei Newport/Rhode Island Gegenstände aus der Zeit des Norwegerherrschers Olav Kyrres (1065-1080) zum Vorschein. Dann dämmerte es allmählich, dass Christoph Kolumbus nicht der erste Europäer gewesen sein kann, der seinen Fuß in die Neue Welt setzte. Dass dies spätestens seit 40 Jahren ausgeschlossen werden kann -- damals führten Inuit aus dem Fischerdorf L'Anse-aux-Meadows an der Nordspitze Neufundlands den Forscher Helge Ingstad in eine Bucht, wo die Grundmauern von acht stattlichen Langhäusern, wie man sie bis dato nur aus Island und Grönland kannte, aus dem Boden ragten -- dokumentiert der Norweger Knut Lindh in seinem Buch Wikinger. Die Entdecker Amerikas. Im Wesentlichen gestützt auf die Grönlandsaga und die Saga von Eirik dem Roten belegt der National Geographic-Reporter, dass es sich dabei nur um die legendären "vinländischen Leifsbuden" handeln konnte -- jene fruchtbare weinumrankte Kolonie also, die der Überlieferung nach von dem bemerkenswerten Wikinger Leif Eiriksohn gegründet wurde, der sich um das Jahr 1000 aufgemacht hatte, um das schemenhafte Land zu suchen, das an besonders klaren Tagen wie eine Fata Morgana an Grönlands Horizont erschien. Teils romanhaft, teils sachlich-populär erzählt Lindh Sagen, Abenteuer und Histörchen rund um diesen nordischen Seefahrer und berichtet auch vom Schicksal seiner Nachfolger, die ebenso friedliche wie tödliche Bekanntschaft mit den als Skrälinger (Schwächlinge) unterschätzten Ureinwohnern machten. Wenig spektakulär zwar und wissenschaftlich kaum fundiert, führt dieses dennoch recht kurzweilige Buch in ein Kapitel der europäischen Kolonialgeschichte ein, das außerhalb Skandinaviens auf kaum einem Lehrplan steht. --Roland Detsch
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